Beratungs- und Informationsprogramm: Perspektiven der Jugend in Palästina

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Die Friedrich-Ebert-Stiftung Palästina führte vom 25. November bis 1. Dezember 2018 ein Beratungs- und Informationsprogramm für unsere Delegierte, Dr. Muriel Asseburg, Senior Fellow in der Forschungsgruppe Naher Osten und Nordafrika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), zum Thema „Perspektiven der Jugend in Palästina” durch. In Begleitung der FES- Direktorin Beyhan Sentürk und der FES-Programmmanager, Nidal Alayasa und Usama Antar, begegnete Dr. Asseburg jungen Aktivist_innen, Jugendorganisationen, Studentenräten und Forschungseinrichtungen in Palästina – in Ramallah, Gaza, Jerusalem, Jenin, Nablus, Hebron und Bethlehem.

Am Montag, dem 26. November, reisten wir nach Ramallah, um uns mit Vertreter_innen des Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS) zu treffen und eine allgemeine Einführung in Fakten, Zahlen und Daten über die palästinensische Jugend zu erhalten. Die Teilnehmer_innen diskutierten zentrale Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildung, politische Partizipation und die Rolle von Religion. Anschließend traf die Gruppe die Organisation Defense for Children International – Palestine Section (DCI-PS), um Einblicke in das soziale und legale Umfeld der Jugend in Palästina zu erhalten. Nach einer Einführung in die Arbeit der Organisation lernte die Gruppe die Situation von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit den verschiedenen in Palästina geltenden Rechtssystemen kennen, wobei der Schwerpunkt auf willkürlichen Inhaftierungen, Misshandlungen und Folter lag. Es folgte eine lebhafte Diskussion über Kinderschutz und Verantwortlichkeit.

Nach einem herzlichen Empfang im Ramallah-Büro des Sharek-Jugendforums durch eine große Gruppe junger Mitglieder reisten wir in das Jugenddorf der Organisation in der Nähe des Bergdorfs Kufor Nemah. Unter der Leitung der jungen Aktivist_innen erkundeten wir die Grünflächen, Aussichtspunkte, Feuerstellen, Schlafsäle und Spielplätze des Dorfes, die von Freiwilligen errichtet wurden. Während des Mittagessens auf einer Terrasse teilten die jungen Mitglieder ihre Erfahrungen in der Organisation, ihre Strategien, um Veränderungen in ihrer Gesellschaft zu bewirken, und ihre Visionen für die Zukunft.

Am Dienstag, dem 27. November und Mittwoch, dem 28. November, hielten wir uns in Gaza (Stadt) auf, um zahlreiche junge Aktivist_innen und politische Akteur_innen zu treffen. Darunter waren Vertreter_innen des PalTrade Gaza-Büros, mit denen wir uns über wichtige politische und wirtschaftliche Herausforderungen und Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen austauschten. Die Gruppe traf sich mit dem Exekutivdirektor des Palestinian Non-Governmental Organizations Networks (PNGO) und dem Leiter von PalThink for Strategic Studies, mit denen die Rolle der Zivilgesellschaft im Zusammenhang mit dem schrumpfenden Raum für Partizipation und der wachsenden autoritären Führung diskutiert wurde.

Während einer Diskussionsrunde mit Jugendlichen aus politischen Fraktionen, die in Zusammenarbeit mit “Save Youth Future” veranstaltet wurde, teilten die Teilnehmer_innen ihre Ansichten darüber, wie die schwierige politische und wirtschaftliche Situation in Gaza verbessert werden kann, und legten ihre Ziele und ihr aktives Engagement für eine bessere Zukunft dar. In einem Gespräch mit dem Sprecher der UNRWA im Gazastreifen erfuhren wir von der Bewertung der Agentur der zentralen Herausforderungen für die Jugend in Gaza und den Auswirkungen der Finanzierungskürzungen für die UNRWA.

Am darauffolgenden Tag, am 28. November, erläuterte der Leiter des Massarat-Think-Tanks, Dr. Salah Abdelati, seine Auffassung der Rolle der Zivilgesellschaft, insbesondere der Jugend, bei der Gestaltung der Zukunft Palästinas. Mehrere politische Aktivist_innen brachten die Notlage der palästinensischen Jugend in Gaza zum Ausdruck und diskutierten Möglichkeiten für eine friedliche Lösung. Nach unserer Rückkehr nach Jerusalem führten wir ein lebhaftes Gespräch über die Stärkung der Jugend mit Hanya Bitar der Palestinian Youth Association for Leadership and Rights Activation (PYALARA).

Am Donnerstag, dem 29. November, reiste die Gruppe nach Nablus und Jenin. Vertreter des Jenin Freedom Theaters berichteten von der facettenreichen Geschichte der Initiative und sprachen von der Rolle und Erfahrung der beteiligten Jugendlichen im Jenin Flüchtlingslager, in der Stadtgemeinde und in der palästinensischen Gesellschaft. Im Austausch mit Mitgliedern des Studentenrates der Arab American University erfuhren wir von der Motivation der Jugendlichen, das gesellschaftspolitische Leben ihrer Gemeinschaft und der palästinensischen Gesellschaft aktiv zu gestalten.

Bei unseren Treffen mit dem Keffiyeh Center im Askar Camp und dem Yafa Cultural Center im Balata Camp erhielten wir bereichernde Einblicke in die Perspektive der jugendlichen palästinensischen Flüchtlinge. Durch ihren Gemeindeaktivismus hoffen viele, die Rolle der Flüchtlinge in der palästinensischen Gesellschaft als Change Agents zu fördern. Die jungen Journalisten des Shahed Youth Centers zeigten auf, wie sie aufgrund der ausbleibenden demokratischen Prozesse auf nationaler Ebene versuchen, die Vertretung von Jugendlichen auf Online-Plattformen und in der lokalen Politik zu stärken, um möglicherweise die nationale Politik zu beeinflussen.

Bei einem Besuch in Hebron und Bethlehem am Freitag, dem 30. November, vertieften wir unsere Einblicke in die vielschichtigen Hindernisse, denen Jugendliche durch Besatzung und restriktive soziale Normen begegnen, sowie in die Strategien zur Überwindung dieser. Eine politische Tour durch die Altstadt von Hebron vertiefte das Verständnis der Gruppe für die schwierige Situation, in der sich die palästinensische Jugend bewegen muss. Während unseres Besuchs des südhebronitischen Dorfes Umm Al-Khair wurden die besonderen Herausforderungen der in der Zone C der Westbank lebenden Jugendlichen weiter beleuchtet. Gleichzeitig erhielten wir einen Einblick in die Resilienz und den Einfallsreichtum junger Palästinenser. Jugendliche aus dem Studentenrat der Universität Bethlehem zeichneten auch ein hoffnungsvolles Bild von Beteiligung und Ermächtigung von Jugendlichen, das auf Universitätsgeländen beginnt, aber den Weg in Richtung eines freien und demokratischen Palästinas weiter ebnet.

Der Austausch mit verschiedenen Akteuren in ganz Palästina bereicherte unser Verständnis der Perspektiven palästinensischer Jugendlicher und festigte unseren Glauben an ihre Fähigkeit, die Zukunft aufzubauen. “Wenn die Jugend an vorderster Front der Entscheidungsfindung steht, wird ein wesentlicher Wandel folgen”, stellte eine junge Aktivistin heraus.