Diskussion mit Dr. Mustafa Barghuthi zu “Der Rolle von gewaltfreiem Widerstand in Konflikten und dem Staatsaufbau in Palästina”

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Am 23. Januar 2019 hielt Dr. Mustafa Barghuthi, Generalsekretär von al-Mubadara, eine Rede über die Bedeutung von gewaltfreiem Widerstand für den Staatsaufbau in Palästina. Im Anschluss fand eine Publikumsdiskussion statt. Die Rede war Teil eines Empfangs in Ramallah, den die FES für Partner, Freunde und Unterstützer der Stiftung ausrichtete.

 

Dr. Mustafa Barghuthi, Generalsekretär von al-Mubadara, ist bekannt für seine klare Haltung zu gewaltfreiem Widerstand als wirksames und wichtiges Instrument für den Staatsaufbau in Palästina. Wie er erklärte, gebe es bereits viele historische Beispiele aus der ganzen Welt für erfolgreichen gewaltfreien Widerstand. Als Beispiele nannte er etwa Ghandis Unabhängigkeitsbewegung in Indien, die durch gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die britische Herrschaft ankämpfte, oder Nelson Mandela, der das Apartheid-Regime stürzte. Natürlich könnten die Erfahrungen und Modelle des gewaltfreien Widerstands und der Befreiung nicht direkt von einem Land auf ein anderes übertragen oder direkt reproduziert werden. Jede Nation müsse ihren eigenen Weg finden, um die Idee der Gewaltfreiheit als eine Form des Widerstands und des Ausdrucks politischer Unzufriedenheit zu operationalisieren.

 

In der darauffolgenden angeregten Diskussion wurden vom Publikum einige kritische Fragen aufgeworfen. Auf die Frage ob Gewaltlosigkeit nicht nur ein Euphemismus für Passivität oder gar Niederlage bei, erwiderte Dr. Barghuthi, dass gewaltloser Widerstand keineswegs passiv oder ineffektiv sei, nur weil es keine Gewalt oder bewaffnete Kämpfe beinhalte. Wie er erklärte, sei selbst das Einrichten einer zivilen Blutbank oder das Errichten einer Schule in einem privaten Haus in Krisenzeiten, wenn die öffentlichen Schulen nicht funktionieren, eine Form des Widerstands. In der Tat sei gerade Aktivismus der zentrale Kern gewaltfreien Widerstands, da die Zivilgesellschaft aktiv nach Alternativen zu Waffen und Gewalt suchen müsse, um sich gegenseitig umeinander zu kümmern und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Dies schaffe einen starken Zusammenhalt zwischen Menschen, da jeder und jede in der Lage sei teilzunehmen und teilzuhaben, während andere Formen des Widerstands häufig nur eine kleine Gruppe von Menschen beinhalten. Dies mache den gewaltlosen Widerstand noch effektiver, inklusiver und attraktiver.